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 DER   VERLAG   mit  3 U                                                                                                    Im Oktober 2007 erschienen                                                        

 Matthias Höltje

 ZEITENTEMPEL

  176 Gedichte zum Spiel von

  Zeit und Ewigkeit aus dem Kontinuum

  der Postmoderne + BEIGABE:

  56 Textkommentare aus des Dichters 

  postreflektierendem Vermächtnis


 INFO zum Buch

 

EAN                           9783939832041

ISBN                     978-3-939832-04-1

Bestellnummer bei KUUUK      832041

 

Im Oktober 2007 erschienen.

 

Bestellnummer:  832041 für das Buch "ZEITENTEMPEL"

 

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Format: 14,8 x 21,0 cm, 200 Zählseiten, Rückenstärke mit Umschlag: ca. 15,00 mm, Gewicht circa 300 g, Umschlag 280 g/m² Chromosulfat, Papier 90 g/m², Umschlag: vierfarbig, 4/0, CMYK, Innenteil: schwarz, 1/1

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BUCHRÜCKENTEXT:

"Was Matthias Höltje schreibt und in Texte einfließen lässt, ist weit mehr als ein Kontinuum der uns bewegenden Zeit, oder auch anrührenden Nicht-Zeit. Wer Höltje liest, gewinnt auch eine Vorstellung von den ungeheuerlich-paradoxen Wechselfällen des uns befremdlich traktierenden Lebens. Dies gilt besonders dann, wenn der Dichter Wahrheiten im Strom eines entfernten kosmonautischen Treibens beleuchtet. Wie aber könnte menschliche Existenz in ihrer wohl ewigen Vielschichtigkeit anders überhaupt erklärt werden?"

 

Alle Diskurse enden im Nichts - oder sie enden auch in der Ganzheit der Prozesse. Dichtung muss sich a priori zwischen den Rändern der Worte täglich neu erschaffen und spielt mit deren Sinn. Das menschliche Treiben kann durchaus wie eine Verhöhnung kosmischer Existenz empfunden werden, oder auch als Erfüllung, die sich über alle Zeiten als das überlagernde Element erstreckt, was niemand zu (er)messen vermag. Indem das Gedicht vielfältige Zusammenhänge erbaut, versucht das Humanum den Visionen des Unverstandes zu enteilen. An den Rändern dieser Sinnhaftigkeit bricht sich das Logische - und zwar immer wieder. Ähnlich versteht Matthias Höltje den Sinn ... und damit spielt er auch. Im kosmonautischen Treiben wird er, der Dichter, dann derjenige, der alles findet: das Prinzip der Göttlichkeit, astrologische Verkettungen und eine Liebe, die im Verblühen noch lodert. Er beschreibt auch das Leben, das uns beständig entflieht, um zugleich jedoch unser ständiger Begleiter zu sein. Höltjes Weisheit scheint unbegrenzt und zeitenlos. Er textet die Welt neu ein. Dabei kennt er sich aus in der Mystik, der Antike, der Klassik. Er weiß von der Zahlensymbolik und den Religionssuchen. Er betrachtet das weltliterarische Schaffen als ein bescheidenes Mittel, die uns unverständlichen Geschehnisse des Daseins zu ordnen. Weil wir Schritte der Verderblichkeit längswandeln, verdingen wir uns an den Dichter und zugleich an sein Wissen vom Sein. Die Widersprüchlichkeit der Existenz einzufangen - das vermag vielleicht am besten die postmoderne Lyrik in ihren stets mehrdeutigen Sinneinheiten. Matthias Höltje legt mit dem Zeitentempel, seinem ersten Gedichtband, einen universalen und gewaltigen Blick auf die Existenz vor. Er kommt aus anderer Dimension. Darüber hinaus erschließen uns seine neuartigen Selbst-Kommentare zu den Gedichten eigener Schreibe weitere Hochebenen literarischen Schaffens. 

Matthias Höltje, geboren in Braunschweig, aufgewachsen in der Lessingstadt Wolfenbüttel, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften und Hispanistik an der Freien Universität in Berlin. Nach einem zusätzlichen Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Spanisch war er anderthalb Jahre als Referendar an Gymnasien in Halle/Saale in Sachsen-Anhalt tätig. Sein langjähriger literaturwissenschaftlicher Arbeitsschwerpunkt umfasst die Weltliteratur und hier insbesondere deren symbolische Formen, die Aspekte der Esoterik und Metaphysik einschließen. Der Autor, der u. a. im Tourismus arbeitete, konnte durch viele Reisen, auch in außereuropäische Länder, sein Kulturwissen erweitern. Dies schließt die Kenntnis fernöstlicher Religionen und aus diesem Kulturkreis stammende Meditationstechniken ein. Der Dichter versteht sich als Kosmopolit und fühlt sich als weiterer Kunstform der zeitgenössischen Musik zugetan. Obwohl gebürtiger Niedersachse, ist er seiner Wahlheimat, dem kulturellen Schmelztiegel Berlin, verbunden, wo er auch lebt und arbeitet. Literaturwissenschaftlich wegbereitende Arbeiten zu Stéphane Mallarmé und García Lorca sind von ihm in den Jahren 2000 und 2004 erschienen.

                                             TEXTQUELLE S. 100 - 104

Dieners Werk


Wer dem Teufel die geschuldete Ehre zollt,

schenkt ihm sein verbrauchtes Kleid zurück.


Wir wünschen ihn zum Fenster raus,

doch geht er mit Anzug durch die Tür hinaus.



Irrtümer


Wer alles auf die Waage legt,

hat nichts mehr auf die Seite zu legen.


Nein, nein, bestimmt kein Druckfehler!

Ich dachte nur, es wären alle so wie ich, wirklich!


Das Verstehen zu weilen zu groß;

das Leben zu eilen zu langsam.



Philosophie


Es hat einen Grund, warum ich Philosoph bin.

Weil die anderen es nicht sind.



Gott


Dass Gott in der Welt unsichtbar ist, zeigt doch nur,

dass er mit seiner Schöpfung noch nicht zufrieden ist.

Waisen des Lebens


Wohin gehen wir? Fragen Sie nicht so viel,

setzen Sie endlich einen Fuß vor den anderen!


Jung Sein bedeutet

die Füße zum Himmel hinauf Werfen.


Könnte ich mich selbst voraussagen,

wäre ich nicht der unbegrenzte Himmel.


Keine Ziele Heben heißt

wie der Prophet auf Wolken durch den Nebel Schweben.


Trauer, ziehst du vorüber,

so nimm mich fort von hier!


Manche durchwandern die Welt,

indem sie sich einmal um sich selbst drehen.



Ausblick


Dort war nur Abgrund,

folglich also auch nur Höhe.


Dem Fliegenden sind selbst

die Berge noch wie Täler.





Lösungsmittel


In der Hexenküche standen alle Kräuter bereit,

nur die Mischung war noch unklar.


Wie wir’s auch wenden, es zählt allein

das Blut, das wir hier spenden.


Du gibst den Leuten das Ihre

und erhältst das Deine zurück.

Alles vergeben und vieles,

wenn nicht sogar alles, neu beschaffen!



Bon Mot


Zwecks fester Lösung

locker binden.



Menschentypen


Tiefsinnig: Der Psychologe

ist der Erforscher der tiefen Einbildung anderer.


Glückliches Los: Der Dichter

träumt und dichtet immer.

TEXTQUELLE S. 119

Mensch mit Nutzen


Der Mensch ist kein Nutzfahrzeug.

Der Mensch ist keine Kartoffel.

Wär‘ der Mensch ein Nutzfahrzeug,

wär‘ sein Leben leicht.

Wär‘ der Mensch eine Kartoffel,

verspeiste man ihn vielleicht.

Doch der Mensch ist kein Nutzfahrzeug,

und auch keine Kartoffel.

Daher ist sein Leben gar nicht leicht

und er als Speise ungenießbar

vielleicht.


Der Mensch ist nicht als ein Objekt geboren, vielmehr als ein Subjekt, so zumindest vermeinen wir es seit der Epoche der Aufklärung zu wissen. Er bleibt zwar mit der Erde, dem Materiellen und der Natur verbunden, sollte sich aber nicht dazu erniedrigen, Handlanger für andere zu sein; er sollte besonders vor Ausbeutung auf der Hut sein und sich unter Umständen bäuerlich-ungehalten zeigen. Wie der Ackermann hat der Mensch seinen eigenen Boden, auf dem er am besten gedeiht, gleichwohl er oft auf fremden Boden zu wandern angehalten sein mag. Billiger Nutzen und Profit sind jedoch nicht die einzigen Kategorien, die ihm für sein wesentliches Heil zukommen, was nicht heißt, dass es nicht nützliche Dinge gibt wie die Kartoffel und er selbst nicht sinnvolle Dinge für sich und andere tun sollte. Doch sich nicht vereinnahmen zu lassen, dies fordert einen beständigen Kampf, ein Abgleichen unterschiedlicher Positionen, eine fruchtbare Reibung in der Auseinandersetzung um das sich ändernde Maß der Dinge. Auf der Grundlage sozialer Interdependenz bleibt das Verhältnis von Subjekt zu Subjekt stets neu zu bestimmen. Der Mensch ist zudem aufgerufen, das Verhältnis zwischen subjektiven und objektiven Weltbezügen zu erkennen.

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